Auf in die Wildnis…

Am Samstagmorgen war es so weit – es ging zur Safari.

Pünktlich um 05:00 Uhr sind wir zum wenige Kilometer entfernten Eingang des Pilanesberg-Nationalparks gefahren und haben dort unseren Safari-Guide getroffen. In aller Dunkelheit ging es los in den Park. Erst über noch irgendwie geteerte Straßen, dann über „andere“ Wege.

Man kann den Park auch mit eigenen Autos befahren. Ganz davon abgesehen, dass unsere Suzukis nicht unbedingt für die Anzahl an Passagieren ausgelegt sind, mit denen wir sie benutzen, wäre das wohl eine weniger gute Idee gewesen.

Der Nationalpark hat an sich eine recht runde Beschaffenheit mit 110 km Durchmesser, aber der Hauptteil spielt sich im Krater eines alten Vulkans mit 27 km Durchmesser ab. Entsprechend erhebt sich eine wunderschöne Landschaft mit Bergen, einem See und einer sehr diversen Natur. Der Sonnenaufgang im Park war malerisch, und es dauerte nicht lange, bis unser Adlerauge die ersten Giraffen entdeckt hat.

Weiter ging es vorbei an Impala-Herden, einigen Zebras und einer Nashornmama, die gemächlich mit ihrem „Kleinen“ über die Straße trottete.
Aber auf einmal kam Aufregung in den Park. Es war eine Löwenfamilie gesichtet worden – und während wir bis eben noch mehr oder minder allein waren, kamen plötzlich über 20 Autos zusammen, um die Löwen zu beobachten. Etwas kurios, aber zumindest strikt von den Wegen aus und immer vorsichtig den Tieren gegenüber.

Drei Löwinnen und ihre Kinder tauchten auf, ließen sich von den Menschen aber absolut nicht beeindrucken, sondern trotteten weiter ihres Weges. Ein sehr spannender Moment.

Nach einer Weile haben sich die verschiedenen Fahrzeuge wieder zerstreut (zum Glück), und wir waren wieder mehr oder minder allein.

Unterwegs wurde uns erklärt, welche Blätter wir benutzen sollen, wenn wir mal müssen, aber es ging dann zum einzigen Klo im Park. Auf dem zugehörigen Parkplatz wurde Kaffee mit Elefantenmilch und Amarula serviert. Als Frühstück gar nicht schlecht.

Weiter ging es zu den Flusspferden, zu weiteren Nashörnern und Zebras und vielem anderen. Eine wirklich überwältigende Erfahrung und für mich persönlich das Highlight der Reise.

Der restliche Tag bestand dann aus spätem Frühstück, Schläfchen, Massagen, dem Wasserrutschenpark des Hotels und der Poolbar.

Nun sitzen wir im Valley of Waves in Sun City.

Im Prinzip direkt neben dem Eingang des Nationalparks ist in den letzten 30 Jahren ein Luxusresort entstanden, das seinesgleichen sucht.

Es ist eine Ansammlung von Hotels, einem Golfplatz, allen möglichen „Spielplätzen für Erwachsene“ (von Wasserski bis Segway im Wald ist alles möglich) und beherbergt das abenteuerliche Valley of Waves. Eine Mischung aus Pools, Rutschen und Strand, direkt in einem riesigen tropischen Garten und gestaltet als versunkene Tempelanlage. Und einer Poolbar.

Unser Urlaub neigt sich dem Ende entgegen. In drei Stunden fahren wir zurück nach Johannesburg und nehmen unseren Flieger nach Hause.

Es war eine atemberaubende, beeindruckende und inspirierende Reise. Aber auch eine, die nachdenklich macht.
Nachdenklich zur Geschichte des Landes, nachdenklich zu unserer eigenen. Nachdenklich zur sozialen Spaltung vor Ort, zur Nutzung von Luxusangeboten, wenn zwei Kilometer weiter die nächste Wellblechsiedlung ist, aber auch nachdenklich zum eigenen Glück.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung.

Es bleibt ein letztes Thema, über das wir reden müssen: die Sicherheit.

Südafrika hat eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt. Bei 33,7 Prozent Arbeitslosigkeit und extremen sozialen Unterschieden, aber auch einer chronisch unterbesetzten und unterfinanzierten Polizei eigentlich kein Wunder.

Häuser ohne Mauer und/oder Stachel- bzw. Elektrodraht sind nur selten zu finden. Ein Supermarkt ohne Sicherheitspersonal ist nicht vorstellbar, und (private) Kontrollen an allen Ecken sind Standard. Das ist ein trauriger Zustand, auch wenn vieles davon dem allgemeinen Sicherheitsgefühl dient.

Wir hatten für uns klar definierte Regeln:

  • Keine Autofahrten nach Einbruch der Dunkelheit
  • Soweto nicht ohne lokalen Guide
  • Kein einfaches Bummeln auf den Straßen, sondern Fahrten von A nach B
  • Verriegelte Autos
  • Kein Schmuck, keine Uhren usw.
  • Im Zweifel Rückfragen beim Personal unserer Unterkünfte

Wir haben uns, nach ein paar Tagen Ankommen und Gewöhnen, sehr sicher gefühlt und hatten nie eine unangenehme Begegnung, sondern nur die überwältigende Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Südafrikaner.

Waren unsere Vorkehrungen übertrieben? Ich weiß es nicht, aber ich bin froh, dass wir uns daran gehalten haben.

Also: Wenn ihr hierher kommt, dann passt auf euch auf. Aber genießt in vollen Zügen, vor allem diese tollen Menschen!

Danke, dass ihr dabei wart. Wir lesen uns im Juni …

Dekadenz muss praktisch sein…

Wer mich lange genug kennt, hat diesen Satz mehr als einmal gehört.

Am Freitag haben wir ihn auf die Spitze getrieben.

Pünktlich um 07:00 Uhr war die Reisegruppe „Tunichtgut“ abfahrbereit in den Autos und ist wieder zum Flughafen gefahren.

Ganz ursprünglich war das so nicht geplant, sondern wir wollten bis Samstag in Johannesburg bleiben. Aber da wir im Laufe der Planung eine Unterkunft ändern mussten, kam ich auf den Gedanken, die Zeit in Johannesburg könnte etwas lang bemessen sein. Rückblickend betrachtet war sie das keinesfalls, aber einen Fehler haben wir mit der Änderung auch nicht gemacht.

Von Johannesburg ging es mit der südafrikanischen Airline Airlink (sehr zu empfehlen) auf den kurzen Flug nach Durban, wobei wir die Stadt aber links liegen ließen und ins 150 km entfernte Umtentweni fuhren, eine kleine Gemeinde am Indischen Ozean.

Angekommen in der Splash Rock Beach Front Villa waren wir etwas baff. Wir kannten die Bilder (naja … ich, der Rest hat eigentlich nicht so wirklich geschaut, wozu sie hier im Einzelnen zugestimmt haben), aber vor Ort befand sich ein Haus, das man einfach nicht wirklich mit Bildern erfassen kann. Ein Wohnzimmer groß wie eine Bahnhofshalle, eine Küche aus einer Kochshow, Möbel aus einem sehr teuren Katalog, eine komplett öffenbare Fensterfront zum tropischen Garten und zum Indischen Ozean, davor ein Infinity-Pool mit eingelassenem Whirlpool, ein Game Room und eine Sauna. Schöne Schlafzimmer und ein Masterbedroom mit riesiger Front zum Meer.

Alles in deutlich abgewohntem Zustand, aber dennoch unfassbar schön.

Es hat ungefähr fünf Minuten gedauert, bis alle ihre Badehosen anhatten und wir durch den Garten direkt zum Meer gerannt sind. Meilenweit niemand zu sehen, und die Häuser hinter den Gärten versteckt – es gab nur uns und das tosende Meer.

Es war der erste wolkige Tag der Reise, aber das war gar nicht so schlecht, 32 Grad reichten uns durchaus.

Gleichzeitig hieß das aber auch ordentlich Wellengang, und die im Haus befindlichen Surfbretter sind auch dort geblieben.

Am Abend ging es dann zum Pub die Straße runter. Die haben freitags Livemusik, und natürlich war der Laden voll und hat nicht unbedingt mit neun hungrigen Deutschen gerechnet. Aber in Südafrika ist man nicht nur unglaublich freundlich und neugierig (mehr als eine Person hat uns angesprochen, eine Dame saß auch plötzlich einfach mit am Tisch), sondern auch praktisch veranlagt. Neben dem Pub lag ein Spielplatz mit Picknickbänken. Also hat man uns einfach dorthin gesetzt und bedient.

Später konnten wir in den eigentlichen Außenbereich des Pubs umziehen und dort direkt die Livemusik genießen.

Der Samstagmorgen begann mit einem Bad im Meer zum Sonnenaufgang (einer hat von dort mit seinen Freudenschreien die anderen aus dem Bett geworfen) und erneut einer Abfahrt zum Flughafen um Punkt 07:00 Uhr, um zurück nach Johannesburg zu fliegen.

Der Pilot hatte angekündigt, dass es bei der Ankunft starke Winde geben würde; mit dem Durchstarten der Maschine zwei Meter über der Landebahn hatte aber keiner gerechnet. Der zweite Anlauf war dann erfolgreich.

Mit den Autos ging es, mit einem Abstecher an den Hartbeespoort-Damm, an den Rand des Pilanesberg-Nationalparks, etwas über zwei Stunden von Johannesburg entfernt, ins Sundown Country Estate. Hier haben wir drei Bungalows und einen tollen Abend an der Poolbar verbracht. Ob die Bedienung dort uns unterhalten hat oder wir sie, ist keinem so ganz klar.

Die Wiege der Menschheit…

Meine Güte, ich komme nicht hinterher. Wie ihr gemerkt habt, habe ich nicht jeden Tag geschrieben. Meist ist das ein Zeichen, dass einfach nicht allzu viel passiert ist – hier eher, dass ich erst einmal alles verarbeiten muss, was passiert ist, und dass ich auch die Gesellschaft der anderen genießen möchte – und dass so ein Beitrag eben nicht in fünf Minuten fertig ist (auch wenn er sich vielleicht manchmal so liest).

Am Donnerstag gab es einen längeren Ausflug zur „Wiege der Menschheit“.

Nun ist allgemeiner Konsens, dass die Menschheit – oder deren Vorläufer – nicht unbedingt an einem Ort allein entstanden ist, und vermutlich auch nicht genau hier. Aber nahe Johannesburg findet sich eine Gegend, in der einige der ältesten Vorläufer des Homo sapiens gefunden wurden – und das in großer Menge und erstaunlich gut erhalten. Und diese Gegend wurde eben „Wiege der Menschheit“ genannt, und einen der wichtigsten Orte hierfür kann man besichtigen: die Höhlen von Sterkfontein.

Das Erlebnis begann nicht erst vor Ort, sondern schon der Weg dorthin war spannend und unglaublich schön.

Wir haben Johannesburg in westlicher Richtung verlassen und passierten Luxusvillen am Berg mit eigenem Hubschrauberlandeplatz, während es davor von recht einfachen Behausungen wimmelte und nur einen Kilometer später der Weg von Blechhütten bestimmt wurde und die Gegend vor Leben nur so brummte.

Händler hatten ihre Stände am Straßenrand aufgebaut oder hielten ihre Waren einfach nur hoch, während viele Menschen eines der allgegenwärtigen Sammeltaxis anhielten – die wichtigste Form der Fortbewegung in Johannesburg.

Hierfür stellt man sich an den Straßenrand, hält seine Hand hoch, und die genaue Haltung der Finger und der Faust zeigt an, in welche Gegend man will.

Kurze Zeit später waren wir recht plötzlich raus aus der Stadt und in einer grünen Umgebung, die ein bisschen aussah wie das Auenland. Satt sehen konnte man sich daran nicht.

Das Besuchszentrum der Höhlen ist ein funktionaler Bau, der sich toll in die Landschaft einfügt, angesichts der Bedeutung des Ortes aber pures Understatement lebt.

Hier wurden wir von einem Guide abgeholt, der die ersten zwei Minuten wirkte wie ein Slumlord auf Crack. Alle Beteiligten waren eindeutig irritiert, aber es stellte sich heraus, dass dies seine „Masche“ war, um zu überraschen.

Und überrascht hat er – mit unglaublich einfachen Erklärungen komplizierter Forschung und einem sehr feinsinnigen Humor.

Die Funde begannen nicht in den Höhlen selbst, sondern auf den Abraumhalden. Denn die durch Wasser geformten Höhlen waren nicht nur Todesfallen für die ersten Menschen vor 3,5 Millionen Jahren, sondern auch ein Hort von Stalaktiten, welche für den Goldbergbau gebraucht wurden. Frühe Bergbauingenieure interessierten sich für nicht viel anderes – und so landete alles andere eben auf den Halden. Viele Jahre später wurden hier Skelette aus grauer Vorzeit entdeckt. Und dann auch in der Höhle selbst.

Nach der wirklich spannenden Tour wollten wir gerade zurückfahren, als ein Südafrikaner fragte, wo wir herkommen. Das ist hier supernormal und immer sehr, sehr herzlich.

Er war aus Hartbeespoort und meinte, wir sollten dort unbedingt hin. Ein kurzer Check der Karte ergab: Da gibt es eine Seilbahn, die wir schon öfter im Blick hatten. Na, auf zur Seilbahn!

Der Blick auf den Stausee und die malerische Umgebung war den Trip mehr als wert – die Pizza auf dem Gipfel auch!

Und am nächsten Tag sind wir nach Durban geflogen …

South Western Townships…

Na, wer weiß, um was es geht? Nein, Astrid, du darfst nicht mitspielen.

Aber bevor wir dazu kommen, müssen wir über ein anderes Thema reden.

„Apartheid (Aussprache: [aˈpaʁthaɪ̯t]) bezeichnet ein staatlich institutionalisiertes System der rassistischen Trennung und Diskriminierung, das von 1948 bis 1994 in Südafrika bestand. Es teilte die Bevölkerung nach ethnischen Kategorien ein und gewährte der weißen Minderheit umfassende politische, wirtschaftliche und soziale Privilegien, während die nicht-weiße Mehrheit systematisch entrechtet, segregiert und unterdrückt wurde.“

Am Mittwoch war ein Teil von uns im Apartheid Museum, und ich bin der Meinung, ein Urlaub in Johannesburg kann ohne einen Besuch dort kein Johannesburg-Urlaub sein.

Den kurzen, klinischen Abriss dazu habt ihr oben gelesen. Und auch wenn man dort war, kann man sich Leid und Unrecht dieser Zeit wohl nicht einmal ansatzweise vorstellen.

Das Apartheid Museum betrachtet vor allem die Sicht der nicht-weißen Bevölkerung und alles, was diese in dieser grauenvollen Zeit aushalten musste. Wieder, wie so oft, waren es Weiße, die sich als eine Art Herrenrasse gesehen haben und alles Nicht-Weiße unterdrückt und ausgebeutet haben. Schaut auf die Jahreszahlen. Bis 1994. Wie alt wart ihr da?
Sicher, den meisten ist der Begriff und auch ein grober Abriss der Geschichte geläufig, aber das Erlebnis im Museum bringt einem das doch noch einmal viel eindringlicher vor Augen.

Ohne zu sehr auf die Geschichte einzugehen – das würde hier den Rahmen sprengen – nur zwei „Kleinigkeiten“: Nachdem man sich ein Ticket gekauft hat, kommt man zum eigentlichen Eingang. Aber eigentlich sind es zwei. Einer für Weiße und einer für Nicht-Weiße. In diesem Augenblick wird man aufgefordert, auf sein Ticket zu schauen – die jeweilige Zuordnung wurde zufällig aufgedruckt.

In meinem Fall: weiß. Und nun steht man da und denkt nach. Noch bevor man das Museum überhaupt betritt.

Soll man nicht doch den Eingang für Nicht-Weiße nehmen? Nein. Denn niemand kann wählen, wann und von wem er geboren wird. Sich frei für einen Eingang zu entscheiden, würde eine Wahl bedeuten, die es vor 1994 nicht gab.

Südafrika zu erleben, ohne mit Nelson Mandela konfrontiert zu werden, ist zumindest in Johannesburg beinahe unmöglich – und so widmet sich ein großer Teil der Ausstellung seinem Leben und Wirken. Die schwarzen Südafrikaner verehren ihren Madiba auch heute noch glühend. Nicht nur als Bringer der Freiheit, sondern auch als Reformer für ein sozialeres und besseres Südafrika in seiner Zeit als Präsident.

Das erlebten wir auch immer wieder während unserer anschließenden Tour durch Soweto.

Die South Western Townships sind eine Agglomeration von 52 Townships und beherbergen über 3 Millionen Menschen.
Bei dem Begriff Township und vor allem Soweto denken wir meist an eine nie endende Zahl von Blechhütten und blankes Elend. So war es einst, und auch heute gibt es diese Bereiche, aber die allgemeine Realität könnte weiter davon entfernt kaum sein.

Entstanden als Lebensort der nicht-weißen Minenarbeiter und Arbeiter Johannesburgs, war es zum großen Teil genau das, was man sich eventuell vorstellt. Heute besteht es aus Unter-, Mittel- und Oberschicht. Und während die Unterschicht durchaus noch in den entsprechenden Hütten lebt und die Mittelschicht aus unserer (aber nicht ihrer) Sicht eventuell nicht so wahnsinnig viel besser, so ist der allergrößte Teil der Häuser aus Stein. Und es gibt auch hier Viertel, in denen reichere Menschen wohnen und wo auch ein eigener Pool keine Seltenheit ist.

In der Nähe unserer Stops wie dem Hector Pieterson Museum, dem Nelson Mandela Haus, der ehemaligen Residenz von Desmond Tutu und einer einfachen Bar gab es meist alles bunt gemischt. Immer wieder aber auch Restaurants, die vom Design und Zustand her genauso gut in New York oder London zu finden wären.

Unser – großartiger – Guide Mtunzi beschrieb das Leben in Soweto so: „Hustle, hustle, hustle“.

Frei übersetzt: Finde jede Art von Arbeit, sei kreativ, lass dich von absolut nichts unterkriegen.

Ich glaube, die wichtigste Sehenswürdigkeit für ihn war das Krankenhaus von Soweto. Es gilt als das siebtgrößte der Welt. Und darauf war er stolz.

Uff…

Uff? Ja, uff! Ganz großes Doppeluff – aber positiv!

Gestern habe ich damit geendet, euch mehr zu Johannesburg und unserem Privatkoch zu erzählen. Nun waren wir aber inzwischen außerdem im Apartheid Museum und in Soweto, und es fällt nicht leicht, alles „auf die Schnelle“ für einen selbst und auch hier zu verarbeiten. Verzeiht also, wenn ich etwas springe.

Beginnen wir bei den weiteren Eindrücken der Stadt und ihrer Geschichte.

Johannesburg ist 135 Jahre alt – im Prinzip ein Baby, aber verantwortlich für etwa 10 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des afrikanischen Kontinents.
Alles begann mit einem Goldrausch Ende der 1880er Jahre und entwickelte sich rasend schnell von einer einfachen Zeltstadt zu einem Zentrum mit über 100.000 Einwohnern. Fast forward nach heute: Hier leben über 5 Millionen Menschen.

Wie immer in solchen Szenarien gibt es enorme gesellschaftliche Unterschiede mit extrem reichen (Bentley, Lamborghini, Lotus? Kannste alles um die Ecke kaufen, und die Showrooms sind dezent größer als der gewöhnliche deutsche VW-Händler), aber auch extrem armen Gegenden. Diese liegen aber nicht etwa wahnsinnig weit auseinander, sondern nur ein paar Kilometer und haben nur einen „kleinen Puffer Mittelschicht“ zwischen sich.

Nun mischt sich noch die Vergangenheit der Apartheid mit ein. Schwarze (im weitesten Sinne) durften im Prinzip nur mit Genehmigung und zum Arbeiten in die Stadt. Sie hatten in den Townships um Johannesburg herum zu leben – vor allem im Süden der Stadt, wo sich mit 4 km die tiefste Mine der Welt befindet.
Während also die Weißen immer reicher wurden, wurden die Lebensbedingungen der schwarzen Bevölkerung immer prekärer, und es gab keine Aussicht, diesem Kreislauf zu entkommen.

Während es keine größeren natürlichen Wasservorkommen gibt und dieses über ein Leitungssystem über 300 km herangepumpt werden muss, ist es doch die grünste Stadt, die ich je gesehen habe. Man nennt sie auch den größten von Menschen gepflanzten Wald der Welt. Man kann, bis man an die Ränder der Stadt kommt oder im zu betonierten Zentrum ist, keinen Meter gehen, ohne die Vielfalt an Grün zu bewundern.

Mit dem Ende der Apartheid in den 90er Jahren haben viele Unternehmen ihre Zentralen in der Innenstadt verlassen und teils zugemauert. Corona hat dies nochmals beschleunigt. Heute werden diese Gebäude nach und nach als Wohnraum genutzt, und der Anblick vieler Bauten nach brutalistischem Vorbild, mit Gardinen und Wäsche verziert, fügt sich in das unglaublich diverse Bild dieser Stadt.

Ihr seht, es ist nicht ganz einfach, das in Worte zu fassen, und jeder Eindruck kann nur ein Versuch einer Annäherung sein. Aber eins ist sicher: Für mich ist es eine der spannendsten Städte, die ich je gesehen habe – und das, obwohl wir nur kurz hier sind und den allergrößten Teil nur von außen und für einen kurzen Moment sehen.

Zurück in der Unterkunft kam, wie berichtet, unser Privatkoch.

Ich hatte vorab etwas recherchiert, und wir waren uns einig, uns ein Grillbuffet zu gönnen.
Kurz gesagt: beste Idee überhaupt!

Franco und sein Mitarbeiter (auch Franco) waren unglaublich witzig und absolut großartig. Sie haben unsere Getränkeversorgung übernommen, das Grillhaus in Beschlag gelegt und ein wahnsinnig leckeres Abendessen zubereitet. Hinterher haben sie dann auch aufgeräumt und abgewaschen – außer uns die Bäuche vollzuschlagen, mussten wir absolut gar nichts machen.

Und die Bäuche vollschlagen können wir. Ihr seht ein paar Eindrücke weiter unten.

Und nun etwas, das ich normalerweise absolut nicht mache: Hier der Link zu Franco. Wenn ihr in Johannesburg seid oder nur erfahrt, dass jemand hinfliegt: Bucht ihn! Es ist ein Erlebnis, das sich kaum vergleichen lässt.

https://share.google/4LdytBp168x65qBa9

So. Ich bin platt. Apartheid Museum und Soweto machen wir morgen.

Welcome to JoBurg…

Jaahaaa … ich bin schon wieder im Urlaub. Und ja, ich habe mir hiermit etwas Zeit gelassen. Wahrscheinlich zu viel, um die letzten 48 Stunden auch nur ansatzweise gut abzubilden, aber schauen wir mal.

Die gesellige Herrenrunde ist diesmal in stark anderer Besetzung und etwas weiter weg. Die Planung ging dafür bedeutend einfacher als sonst. Einer ist leider vorher ausgefallen, und deswegen sind wir nun zu neunt. In Südafrika.

Wenn ich meine, dass die Planung einfach war, dann meine ich, dass die Jungs recht handzahm waren. Im Prinzip ist alles, was ihr in den nächsten Tagen lest, auf meinem Mist gewachsen, und die Jungs sagten eigentlich immer nur: geil, machen wir!

Es ging also am frühen Sonntagmittag zu den Flughäfen Frankfurt und Berlin, und wir trafen uns in Paris. Von dort ging es auf die Langstrecke nach Johannesburg. Air France umfliegt den afrikanischen Kontinent aufgrund fehlender Überflugrechte weitgehend, und der Flug dauerte 11,5 Stunden – so kamen wir zur besten Mittagszeit in Johannesburg an.

Dass in Frankfurt und Paris jeweils alle in den Flieger kamen, war nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit, aber wir haben es alle geschafft.

Am Flughafen haben wir uns unsere beiden Mietwagen geholt – zwei Suzuki Swift für neun Kerle. Aber größere Autos wären bedeutend teurer gewesen, und im Normalfall fahren wir nur kurze Strecken. Also: alle Taschen und Köfferchen einmal quer über alle verteilt, und ab geht’s in die nächste Mall für ein kleines Mittagessen und zum Einkaufen für unsere Villa.

Villa? Oh ja! Gleich mehr.

Zum Shoppen ging es zu Woolworths Food. Sicher nicht die günstigste Variante, aber eine wahnsinnig tolle Auswahl und Qualität (auch wenn wir uns dann eher für Wagyu statt Straußenburger entschieden haben).

Vom Parkdeck der Mall konnten wir die Villa schon sehen, und die Fahrer haben die Hügel von Johannesburg mit viel Schwung und Mühe mit den dezent untermotorisierten Fahrzeugen bewältigt.

Unsere Unterkunft liegt in einer Gated Community. Es gibt also weitläufig um das Viertel einen großen Zaun (wie fast überall hier, gerne auch mit Stacheldraht und Elektrozaun) und zu der Anlage zwei Zugänge mit Schlagbaum und Wachpersonal. Das ist aber sehr freundlich, hier ganz normal und eben Alltag.

Unsere eigene Anlage hat dann auf der Zufahrt auch noch einmal zwei Tore.

Die Villa „Views for Africa“ ist alt, leider an vielen Stellen ein wenig runtergekommen, und vieles funktioniert nicht. ABER sie liegt auf einem Hügel, der einen Teil dieser wahnsinnig grünen Stadt überblickt, hat morgens und mittags unglaublich viel Sonne und ist riesig. Und ich meine riesig! Allein Entrée, Esszimmer und Wohnzimmer umfassen sicher fast 100 qm. Dazu kommen fünf Gästezimmer, vier Bäder, ein Ankleidezimmer, ein Arbeitszimmer, ein eigener „Braai Room“ (wir würden sowas „Schloss fürs Grillen“ nennen) und ein Pool mit Aussicht. Wenn jetzt noch Gartenmöbel da wären … aber wir sind ja kreativ.

Der Montagnachmittag und -abend bestanden aus dem Genießen unserer Unterkunft, der Aussicht und der Getränkebestände. Die waren irgendwie doof kalkuliert, und wir mussten „etwas später“ noch Uber Eats bestellen. Aber auch das hat nach einigen Anlaufschwierigkeiten geklappt.

Um 05:38 Uhr morgens hörte ich es laut platschen. Der Erste im Bett war dann wohl auch der Erste im Pool.

Nach ein paar Schwimmübungen, vielen Witzen, die eher nach Nivea denn nach Niveau klangen, und einem kurzen Frühstück ging es zur Rosebank Mall und zu einer Stadtrundfahrt im Doppeldecker.

Während die meisten Ecken von Johannesburg aus Einfamilienhäusern und kleineren Ansammlungen bestehen, sind die einzelnen Zentren dann wieder riesig. Im Allgemeinen kann gesagt werden: im Süden Wellblech, im Norden Millionenvillen. Das ist nun sehr stark vereinfacht, kann aber als Faustregel herhalten. Allein die Mall ist wahnsinnig schön, locker und kreativ aufgebaut und bietet von hochwertig bis knapp darunter alles, was man braucht – und natürlich auch das, was man nicht braucht.

Im Doppeldecker drei Stunden durch die unterschiedlichsten Gebiete und unter praller Sonne bekommt man einen ersten Eindruck dieser pulsierenden Millionenstadt, die diverser und reicher an dramatischer Geschichte kaum sein könnte. Dazu mehr in den nächsten Tagen. Gerade ist Franco gekommen, unser Privatkoch fürs Grillbuffet heute Abend.

Die Sonnencreme ist alle…

Ein untrügliches Zeichen, dass sich der Urlaub dem Ende nähert.
Wir könnten zwar vor Ort neue kaufen, aber das machen wir dann doch lieber, wenn wir daheim sind. Es gibt hier zwar alles, was man braucht, aber nichts hat ein Preisschild, und natürlich zahlt man in den Touri-Shops am Resort gesalzene Preise (so auch für das Schnorchelset, das gerade kaputtgegangen ist; im Sommer gibt’s was Vernünftiges).

Außerdem ist Easyjet (und unseren Arbeitgebern) die Menge unserer Sonnencreme vermutlich weniger wichtig als uns. Und so heißt es morgen um 14:40 hiesiger Zeit Abflug Richtung Heimat.

Die letzten Tage haben wir ziemlich entspannt zwischen Strand, Spielplatz, Pool und Wasserpark verbracht. Puschel liebt es hier, und so langsam ist er mit allem warm geworden und öffnet sich auch dem Personal mit seinen ständigen Späßen. Ich glaube, er würde noch eine Weile bleiben, redet aber auch immer mehr von seinen Freunden zu Hause (also eigentlich sollen sie herkommen) und freut sich auch ein klein wenig auf die Heimat.

Zeit für ein Fazit.

Nach all den Enttäuschungen im letzten Jahr habe ich bis 7 Tage vor Abflug (das war die Stornofrist) immer wieder Hotels verglichen und war extrem unsicher, ob ich das Richtige gebucht habe. Das war völlig unbegründet. Sicher, manchmal nervt die Hellhörigkeit des Zimmers, der Strand ist kein feiner Sand, sondern eher Mikrosteinchen, und das Thema Lebensmittelhygiene macht außerhalb des Resorts auch keinen Spaß, aber wir sind hier sehr glücklich und erholt.

Das Resort hat wirklich alles, was wir brauchen. Die Lage an der geschützten Bucht, dem Steg und Riff, die Nähe zum Flughafen (ohne mehr als ab und zu mal ein Flugzeug zu hören), das unglaublich freundliche und jederzeit um einen bemühte Personal, die ständigen Spielereien mit den Kindern – das alles fügt sich zu einem wundervollen kleinen Ort. Kein Paradies, aber wundervoll genug, dass wir entschieden haben, die Gedanken an einen Asienurlaub zu verschieben und im nächsten Jahr zurückzukommen.

Wenn es kleine negative Dinge gibt, so ist es die eher lustlose Kinderanimation (ist eher ein kleines Nebenbei-Programm, das auch nur zu entspannt eingeschränkten Zeiten stattfindet). Da passiert es schon mal, dass eine Aktivität im Kids Club stattfinden soll, da aber außer den Damen, die es veranstalten, niemand drinnen ist, während auf dem Spielplatz direkt davor sieben Kinder sind. Man könnte jetzt auch rauskommen und die Kinder animieren, mitzumachen, anstatt drinnen auf sein Handy zu starren, aber das ist Meckern auf hohem Niveau, und wenn sie in der Interaktion mit den Kindern sind, dann auch sehr liebevoll.

Ich persönlich würde jederzeit wieder in ein Hotel der JAZ Gruppe reisen, mir nur die Lage ganz genau anschauen – die kann sehr unterschiedlich sein.
Das Lamaya und das Schwesterhotel Solaya direkt nebenan liegen für uns perfekt.

Schön, dass ihr dabei wart, wir lesen uns im Februar.

Dingdong Dugong…

Es ist früher Nachmittag, sonnig, 27 Grad und leichter Wind. Am Strand wird Boule gespielt, und das Resort hat gerade eine angenehm ruhige Atmosphäre.
Hat es eigentlich fast immer, aber gerade um die Mittagszeit gibt es nur an der Poolbar (ruhige) Musik, und alles ist etwas runtergefahren.
Perfekter Zeitpunkt, um einen Cappuccino zu trinken und ein paar Zeilen zu schreiben.

Den Mittwochvormittag haben wir im Aquapark begangen. Vom Zimmer, wie beschrieben, nur ein paar Minuten zu Fuß und, samt Getränken und Speiseangeboten, im All Inclusive enthalten. Es gibt einen schönen Kinderpool (leider allerdings ohne Verschattung) und 19 große Wasserrutschen (inzwischen habe ich 10 davon probiert).

Die Orientierung fällt anfangs etwas schwer. Es gibt zwar zig Hinweisschilder, was alles nicht erlaubt ist (jeweils sinnvoll und wird von den Bademeistern absolut strikt, aber freundlich eingehalten), aber es gibt vier verschiedene Arten von Rutschen, und keiner sagt dir, bevor du ganz oben bist, für welche Rutsche du was brauchst.

Sieben Rutschen finden sich über den Umkleiden – dort kann man einfach so rutschen.

Die anderen sind an einem großen Turm gegenüber, und dort brauchst du: Rutschmatten für vier der Rutschen, einen normalen Reifen für sieben weitere und einen Spezialreifen für die letzte. Ich war natürlich ohne alles oben angekommen und konnte erst mal wieder runterdackeln.

Das Klettern lohnt sich aber! Neben einer tollen Aussicht sind die Rutschen abwechslungsreich, teils sauschnell, aber vor allem habe ich mich bisher auf allen sehr sicher gefühlt.

Ria hat ja eigentlich, aus Gründen, internationales Wasserrutschenverbot. Aber das wurde für hier aufgehoben, und so sind wir in der Rutsche mit dem Spezialreifen zu dritt runtergesaust. Das war toll! Puschel mochte es, ist dann aber doch lieber wieder zum Kinderpool mit seinen kleinen Rutschen gehopst – wo er konsequent nur eine einzige nutzt.

Die große Überraschung kam, als er mit seinen Puffels in ein tieferes Becken ging: Er hat sich komplett eigenständig fortbewegt und will mit den Schwimmübungen gar nicht mehr aufhören. Er definiert sich gerade als Kegelrobbe, und wenn er gerade keine Lust hat, selbst zu schwimmen, heißt es: Eine Kegelrobbe braucht Hilfe!

Am Nachmittag ging es zur Quad-Tour. Im Transfer im Jeep saßen noch sieben andere Gäste vom Hotel mit drin. Einer ist immer mal wieder aufgewacht und hat nach Wodka gefragt. Die Jungs hatten Buggys gebucht. Ich hoffe einfach, er saß nur auf dem Beifahrersitz.

Am Ziel angekommen, ging es erst mal typisch chaotisch zu. Nicht ganz so schlimm wie damals in Hurghada, aber den Kopf schütteln kann man schon mal.

Bis alle zu ihren Gruppen gefunden haben, die Guides ihre handgeschriebenen Zettel fünfmal korrigiert und alle zehn Haftungsausschlüsse unterschrieben haben, dauert es eben eine Weile.

Dann wird noch eine Weile herumgesessen, und keiner weiß warum, und dann geht’s los. Natürlich erst mal zu den Kamelen. Das Kamelreiten ist für alle für fünf Minuten mit drin, aber diesmal haben zum Glück nur ein paar Damen das Angebot angenommen und alle meiner Kampfklasse dankend abgelehnt. Das Kamel war bestimmt erleichtert. Zwischendrin kam noch ein Junge mit einer Kreuzung aus Hase und Ziege vorbei, die man streicheln konnte, und ab ging es zu den Quads.

Auch hier wieder Chaos, bis alle endlich mal ihre Maschinen hatten, aber irgendwann war auch das erledigt. Es scheint, als wäre es Standard, dass ich überall auf der Welt eins mit Superprofil links und beinahe null Profil rechts bekomme, aber inzwischen bin ich ja daran gewöhnt. Die Möhren sind ungefähr in dem Zustand, den man sich vorstellt, hat aber alles geklappt.

Los ging es ganz gemächlich durch die Wüste. Im Gegensatz zu Hurghada war es leider nicht möglich, den Guide zu bestechen und separat schneller zu fahren, aber das Tempo wurde schrittweise erhöht, und zum Schluss konnte man die Geschwindigkeit auch kurzzeitig voll ausfahren. Was in Hurghada immer sofort unterbunden wurde, war hier kein Problem: überholen und zur Spitzengruppe fahren. So hatte jeder seinen Spaß in seinem Tempo, und es wurden immer wieder Pausen eingelegt, um die Gruppe zusammenzuhalten.

Die Gegend ist bedeutend hügeliger als Hurghada und die Tour damit bedeutend spannender, als einfach nur in der Wüste im Kreis zu fahren. Hindurch zwischen Felsen, Stops an Bäumen mitten im Nirgendwo, auf einem Hügel zum Sonnenaufgang hinter den Bergen und am Meer haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Mir hat’s einen Mordsspaß gemacht, und das Ende war dann auch gut organisiert, ganz ohne Verkaufsveranstaltung, und ich war schnell wieder im Hotel.

Puschel geht abends gern zur Kids Disco. Er bleibt zwar am Rand, aber er freut sich jedes Mal wie ein kleiner Wüstendrache, wenn wir hingehen.

Gestern ging es dann wieder nach Port Ghalib (nein, wir haben nichts getrunken!) auf die Seascope – ein etwas anderes Glasbodenboot.

Zuerst geht es etwa 15 Minuten lang aufs offene Meer in Richtung Marsa Mubarak. Dann hält das Boot, und es geht unter Deck. Eine große, klimatisierte Kammer mit riesigen Fenstern unter Wasser und Plätzen für alle Passagiere.

Zuerst haben wir über einem wahnsinnig schönen Riff mit toller Artenvielfalt gekreuzt und sogar einen Gitarrenhai gesehen, dann ging es weiter auf die Suche nach Schildkröten, die bald belohnt wurde.

Maria wollte unbedingt Dugongs sehen. Die Guides sagten gleich zu Anfang, dass die Chance dafür nur bei 50/50 liegt, aber bald wurde das zum Running Gag in unserem Teil des Boots.

Der Guide in unserem Teil des Boots war unglaublich aufmerksam und toll. Ja, ich weiß, Trinkgeld und so, aber ehrlich: Das hat er sich sowas von verdient. Er hat auf tolle Art und direkt auf alles hingewiesen, was sich bewegt und spannend ist (und auch, wenn man gerade dabei ist, was Tolles zu verpassen, weil es auf der anderen Seite stattfindet), hat sich irgendwann unser Handy geschnappt und tolle Fotos und Videos von und für uns gemacht und war dabei einfach lustig charmant.

Als wir noch ganz verzaubert von den Schildkröten waren, hat das Boot an einer Stelle gestoppt, ab der eine Weile außer Sand am Boden einfach nichts zu sehen war – bis plötzlich am Rand des Sichtbaren ein Dugong auftauchte und sanft unter dem Boot hindurchglitt. Das war nicht nur magisch, sondern aufgrund des Running Gags auch einfach eine tolle Stimmung an Bord.

Wir haben den Dugong eine Weile begleitet. Er hat irgendwann entschieden, zu aller Belustigung, mit einer Schildkröte „zu spielen“ und ist danach genauso natürlich entschwunden, wie er kam.

Danach ist das Boot wieder nach Port Ghalib zurückgekehrt, und wir waren glücklich.

Heute ist wieder der Wasserpark angesagt gewesen, und am Nachmittag werden wir das Kind am Strand wohl die Arche Noah ausbuddeln lassen, oder so.

Der Pharao hat zugeschlagen…

Zur Mittagszeit steht die Sonne auf unserer Terrasse, und die knallt ganz schön. Anderswo merkt man das aufgrund eines steten Windes vom Meer nicht, aber auf der Terrasse macht es von 12 bis 15 Uhr wirklich keinen Spaß.

Auf Marias Vorschlag hin sitze ich also gerade im Schatten an der Poolbar, genieße den Blick übers Resort, ein leichtes Lüftchen und krame zusammen, was die letzten Tage so passiert ist. Viel ist es ja nicht, deswegen auch erst jetzt ein Bericht, aber immerhin.

Ich fühle mich weiter am richtigen Ort, und Puschel flitzt zwischen Spielplatz, Pool, Meer und Animationsbühne hin und her. Die Animation ist glücklicherweise sehr zurückhaltend, und so gibt es hier keine Dauerbeschallung und kein ständiges Angequatschtwerden. Auch Strandverkäufer gibt es keine, und so kann man ganz in Ruhe vor sich hin gammeln.

Als wir das gestern am Strand taten, saß etwas abseits auf einem Mast ein Fischadler und verspeiste sein Mittag. Schönes Tier! Wir hatten die Handys nicht dabei und daher keine Bilder. Während ich ihn ganz fasziniert anstaunte, ist Maria lieber einen Schritt weiter gegangen. Nicht, dass der Fisch noch vom Mast fällt.
Puschel hat ihn nur kurz registriert und hat uns am Strand weiter Kuchen gebacken. Außerdem bringt er uns aus Sand ständig scharfe und salzige Sauce – das Essen scheint ihn zu beeindrucken (auch wenn er sich inzwischen auf Nudeln mit Tomatensauce von Bassem an der Nudelstation eingeschossen hat, der jedes Mal versucht, ihn zu ein paar Experimenten zu überreden. Er lässt es sich meist nicht nehmen, Puschel den Teller persönlich zu überreichen, und beide freuen sich offensichtlich, sich regelmäßig zu sehen).

Neben dem Hauptrestaurant gibt es Snackhütten am Strand und noch das Strandrestaurant – hier gibt es ziemlich gute Sandwiches und Burger, im Hauptrestaurant eher einen leicht arabischen Einschlag mit vielfältiger Auswahl, die wirklich ständig wechselt.
Was es überall gibt: ziemlich gute Pommes :-).

Wir sind im Normalfall im Hauptrestaurant, und unser Kellner Mahmmoud stellt inzwischen unsere Getränke entsprechend unserer Sitzordnung automatisch hin. Für Maria gerade seinen Spezialtee …

Natürlich wird Trinkgeld überall gerne gesehen, aber – entgegen der Erfahrung im letzten Jahr – wird das hier nicht offensiv forciert. Sehr angenehm.
In den Gesprächen mit Mahmmoud haben wir zumindest einen kleinen Einblick in die Lebensrealität der Mitarbeiter bekommen können. Sie wohnen in großen Wohnanlagen auf der anderen Straßenseite, arbeiten 12 Stunden am Tag für 45 Tage und haben dann 10 Tage frei. Mahmmoud fährt dann zu seiner Frau und seinem zwei Monate alten Sohn, die sechs Stunden entfernt leben.

Ab Abteilungsleiterebene dürfen die Familien dazukommen, und es gibt größere Wohnungen.

Ob die Zimmer im Wohnheim einzeln oder mehrfach belegt sind, habe ich nicht gefragt, das wäre mir etwas zu persönlich gewesen.

Puschel mag aus irgendeinem Grund gerade nicht wirklich mit anderen Kindern spielen und erst recht nicht in den Kids Club gehen. Kaum vorstellbar, wenn man ein paar Monate zurückblickt, aber Kinder entwickeln sich eben in unterschiedlichen Phasen. Am Pool und am Spielplatz lernen wir dennoch sehr nette andere Familien kennen, und das Fazit ist (Gott sei Dank): irgendwie überall dasselbe :-).

Gestern ist der Kids Club ins Restaurant umgezogen und hat (leckere) Pizza gemacht. Da hat sich Puschel dann doch erwärmen können und auch ein paar vorsichtige Spielversuche mit anderen gemacht.
Am liebsten natürlich Tauben jagen mit anderen Jungs.
Abends ging es dann zur Bühne, zur Mini-Disco, allerdings der von einem Nachbarhotel, weil es bei uns recht spät anfängt. So groß war der Zeitunterschied aber nicht, sodass wir heute wohl wieder bei uns sein werden. So kann der kleine Rabauke die Kinder wiedersehen, denen er am Tag vielleicht einen Eimer geklaut hat.

Am Samstag haben wir einen Ausflug nach Port Ghalib gemacht. Das ist der nächstgelegene Ort, und wir wollten mal was anderes sehen. Leider ist Port Ghalib ein Ort, der einzig als Startpunkt für Bootsausflüge, ein paar Hotels und viele Restaurants gebaut wurde – ein kleines Disneyland also und vergleichbar mit der Marina in Hurghada. Nett, wenn einem das Essen im Hotel nicht passt und um sich mal die Beine zu vertreten, aber absolut unnötig.

Am unnötigsten war unsere eigene Unvorsicht. Es gab einen Laden, der damit warb, Starbucks-Kaffee zu haben – und das, was im Hotel wirklich nicht so pralle ist, ist der Kaffee.
Irgendwann kamen wir auf die Idee, dass es vielleicht nicht so clever war, außerhalb des Hotels einen eisgekühlten Kaffee zu bestellen. Hat uns aber nicht davon abgehalten, ihn auszutrinken.
Das erwartbare Ergebnis kam dann am Sonntagmittag: Maria fühlte sich nicht gut und hat sich vermutlich etwas eingefangen. Wir sind aber schnell in die Apotheke und haben das entsprechende Mittel geholt, und der Montag war nur etwas schlapp, aber schon wieder viel besser. Heute ist sie wieder fit und konnte mit Puschel im Pool planschen. Puh. Glück gehabt!

Gerade suche ich nach einer Quad-Tour für mich und einem Glasbodenboot für uns alle für die nächsten Tage.
Trinken werden wir dann nur aus Flaschen :-).

Same procedure as last year…


Nein, nicht ganz. Es ist zwar wieder Ägypten geworden, aber diesmal sind Maria und Puschel dabei, und wir sind außerdem nicht in Hurghada, sondern etwas weiter südlich in Marsa Alam.

Der geneigte Leser wundert sich vielleicht, war doch mein letzter Bericht aus Ägypten nicht unbedingt von Begeisterung geprägt.

Das stimmte für den Zeitpunkt des Berichts, aber rückblickend betrachtet war ich doch positiv überrascht und habe mich in Hurghada wohl – und vor allem sicher – gefühlt. Es ist eben niemand frei von Vorurteilen.

Für uns stand nun die übliche Frage an: Wohin im Winter?

Vor Puschel war eigentlich immer klar, dass wir ins Warme wollen. Die letzten Jahre haben wir uns mit dem kleinen Duracell-Häschen aber noch nicht gewagt, lange zu fliegen. Das war bis vor Kurzem auch immer noch so, und deswegen ist es nicht Asien geworden. Wir waren uns aber recht sicher: Einen Flug von maximal sechs Stunden und ohne Umsteigen bekommen wir hin. Aber eben ins Warme.

Zu dieser Jahreszeit bleiben da eigentlich bloß die Emirate und Ägypten – und aufgrund des Preises ist es eben Ägypten geworden.

Der Fokus lag von Anfang an auf Marsa Alam. Es liegt weiter südlich als Hurghada und ist daher noch einmal zwei bis drei Grad wärmer. Aber es fehlt dann auch die Stadt mit ihren Möglichkeiten und kleinen Ausflügen. Hier gibt es nun wirklich nur die Resorts und absolut nichts drum herum. In 20 Minuten ist noch Port Ghalib, aber das soll eigentlich auch nur eine Touristenmeile sein.
Ausflüge mit Jeep und Quad fallen mit Puschel noch aus, genauso wie eine Tagesreise nach Luxor / Assuan. Puschel macht noch Mittagsschlaf, und das geben wir nicht auf, so lange wir nicht müssen.

Das hier ist also absolut nichts mit Kultur (abgesehen von dem kurzen Kontakt mit Beschäftigten im Tourismussektor), aber für uns gerade genau das, was wir brauchen. Einfach mal baumeln lassen und für Puschel hoffentlich ein paar andere Kinder. Nicht so wie im Familotel am Rennsteig, in dem wir letztes Jahr die einzigen Gäste waren.

Nach längerer Recherche war klar, dass es ein Hotel der JAZ-Kette sein soll, und die Wahl ist aufgrund der Bucht mit Schwimmstrand, guter Infrastruktur, nah am Airport, expliziter Auslegung auf Familien, eines Wasserrutschenparks und einigem anderem auf das JAZ Lamaya gefallen.

Von Fürstenberg ging es 20 Minuten früher als geplant los, und die Straßen waren am 01.01. wie leer gefegt, sodass wir nach etwa 80 Minuten Fahrt bei WeParking in der Nähe des Flughafens ankamen. Günstig, gut organisiert, freundlich. Und der Shuttle fährt direkt ans Terminal (bei MacParking und Co. oft weiter entfernt, und ein Parkplatz direkt am Flughafen war bedeutend teurer). Nur dass wir anstatt der angekündigten fünf Minuten dann fast 30 warten mussten, bis der Transfer losging, war ärgerlich. Aber wir hatten genug Zeit.

Dank Check-in-Automat und selbstständigem Aufgeben des Gepäcks ging es am Flughafen superfix. Die Sicherheitskontrolle war offensichtlich noch in bester Festlaune, und auch sonst hat alles wunderbar funktioniert. So langsam wird auch der BER zum Flughafen. Der Polizist an der Passkontrolle hat viel mit Puschel gescherzt, aber eeeecht lange zwischen meinem Pass und seinem System hin- und hergeschaut. Ich durfte aber durch.

Die EasyJet-Maschine war nicht mal halb voll und ist ebenfalls etwa 20 Minuten zu früh gestartet. Wenn’s läuft, dann läuft’s. Die Crew war gut drauf, die Lüfte ruhig, und auf fast fünf Stunden Flug waren die Anschnallzeichen nur einmal für ein paar Minuten über Rhodos an.

In Marsa Alam das Übliche für Ägypten: Wir waren gefühlt die Einzigen, die ihr Visum (aka Einreisesteuer) online gebucht hatten, und so konnten wir an den vielen Schlangen vorbei, und unser Gepäck kam auch sehr fix. An der Einreisekontrolle wurde wieder kein einziger Blick auf Mensch und Pass geworfen, Hauptsache, das Visum ist da, am nächsten Checkpoint dann der entsprechende Stempel. Wenn man das weiß und alles entsprechend bereithält, ist man da in fünf Minuten durch.

Wie in Hurghada wurde alles Gepäck noch einmal durchleuchtet. Ist im Prinzip aber auch nur ein Band, das an einem Herrn vorbeiläuft, der Candy Crush oder so spielt.

Draußen wartete schon unser vorab gebuchter Fahrer von Steven Taxi. Super freundlich, tolles Auto und echt entspannt. Wir haben nämlich am Auto mitbekommen, dass wir einen Rucksack bei der Durchleuchtung vergessen hatten.
Peter also wieder zum Terminal – rein geht’s nur mit Pass, äh Stempel (der ist das Einzige, was zählt), also wieder zum Auto, Pass geholt und schnell Kontrolle. Da lag unser Rucksack dann auch. In irgendeiner Ecke, hat keinen interessiert – zum Glück.

In der Zwischenzeit hatte unser Fahrer angefangen, mit Puschel Ball zu spielen (den durfte er sogar behalten), und dann ging es in unter 15 Minuten zum Hotel.

Der Check-in war ähnlich wie im letzten Jahr. Setzen Sie sich da hin, trinken Sie was, geben Sie uns die Pässe, danach noch irgendwelche Blätter ausfüllen, dann noch bezahlen, und dann geht’s zum Zimmer. Dauerte länger als der Flughafen, aber so ist das nun mal.

Gebucht hatten wir ein Familienzimmer mit Meerblick. Muss man sich so vorstellen: Flur, Klo, kleiner separater Raum mit Bett für Kinder, Behelfstür, eigentliches Zimmer, Balkon oder Terrasse.

Ich hatte vorab um ein Zimmer mit Doppelbett (keine getrennten) und im Erdgeschoss gebeten. Daher gab es dann Poolblick und nicht Meer, aber den Kleinen einfach von der Terrasse loslaufen zu lassen, ist Gold wert. Außerdem ist der Spielplatz keine 20 Meter entfernt, und der Kids Club ist auch dort. Und der Steg in die Bucht ist auch gleich ums Eck. Wir sind happy.

Das Hauptrestaurant wird in den Bewertungen gerne als Bahnhofshalle beschrieben. Ist was dran, aber es ist nett gemacht, das Essen ist vielfältig und lecker, und sämtliches Personal ist unaufdringlich freundlich – und wie Maria feststellte: Sie wirken, als meinten sie es sehr ehrlich.

Die erste Nacht war super, und wir haben den Vormittag an Pool und Strand verbracht. Puschel war ganz außer Rand und Band wegen der Korallen und Fische, die er vom Steg aus schon gesehen hat. Als die Muschel, die ich im seichten Wasser beim Strand gefunden habe, aber plötzlich kleine Greifzangen hatte, war ihm das nicht so geheuer.

Der erste Eindruck also: Hier sind wir richtig.