Es ist früher Nachmittag, sonnig, 27 Grad und leichter Wind. Am Strand wird Boule gespielt, und das Resort hat gerade eine angenehm ruhige Atmosphäre.
Hat es eigentlich fast immer, aber gerade um die Mittagszeit gibt es nur an der Poolbar (ruhige) Musik, und alles ist etwas runtergefahren.
Perfekter Zeitpunkt, um einen Cappuccino zu trinken und ein paar Zeilen zu schreiben.
Den Mittwochvormittag haben wir im Aquapark begangen. Vom Zimmer, wie beschrieben, nur ein paar Minuten zu Fuß und, samt Getränken und Speiseangeboten, im All Inclusive enthalten. Es gibt einen schönen Kinderpool (leider allerdings ohne Verschattung) und 19 große Wasserrutschen (inzwischen habe ich 10 davon probiert).
Die Orientierung fällt anfangs etwas schwer. Es gibt zwar zig Hinweisschilder, was alles nicht erlaubt ist (jeweils sinnvoll und wird von den Bademeistern absolut strikt, aber freundlich eingehalten), aber es gibt vier verschiedene Arten von Rutschen, und keiner sagt dir, bevor du ganz oben bist, für welche Rutsche du was brauchst.
Sieben Rutschen finden sich über den Umkleiden – dort kann man einfach so rutschen.
Die anderen sind an einem großen Turm gegenüber, und dort brauchst du: Rutschmatten für vier der Rutschen, einen normalen Reifen für sieben weitere und einen Spezialreifen für die letzte. Ich war natürlich ohne alles oben angekommen und konnte erst mal wieder runterdackeln.
Das Klettern lohnt sich aber! Neben einer tollen Aussicht sind die Rutschen abwechslungsreich, teils sauschnell, aber vor allem habe ich mich bisher auf allen sehr sicher gefühlt.
Ria hat ja eigentlich, aus Gründen, internationales Wasserrutschenverbot. Aber das wurde für hier aufgehoben, und so sind wir in der Rutsche mit dem Spezialreifen zu dritt runtergesaust. Das war toll! Puschel mochte es, ist dann aber doch lieber wieder zum Kinderpool mit seinen kleinen Rutschen gehopst – wo er konsequent nur eine einzige nutzt.
Die große Überraschung kam, als er mit seinen Puffels in ein tieferes Becken ging: Er hat sich komplett eigenständig fortbewegt und will mit den Schwimmübungen gar nicht mehr aufhören. Er definiert sich gerade als Kegelrobbe, und wenn er gerade keine Lust hat, selbst zu schwimmen, heißt es: Eine Kegelrobbe braucht Hilfe!
Am Nachmittag ging es zur Quad-Tour. Im Transfer im Jeep saßen noch sieben andere Gäste vom Hotel mit drin. Einer ist immer mal wieder aufgewacht und hat nach Wodka gefragt. Die Jungs hatten Buggys gebucht. Ich hoffe einfach, er saß nur auf dem Beifahrersitz.
Am Ziel angekommen, ging es erst mal typisch chaotisch zu. Nicht ganz so schlimm wie damals in Hurghada, aber den Kopf schütteln kann man schon mal.
Bis alle zu ihren Gruppen gefunden haben, die Guides ihre handgeschriebenen Zettel fünfmal korrigiert und alle zehn Haftungsausschlüsse unterschrieben haben, dauert es eben eine Weile.
Dann wird noch eine Weile herumgesessen, und keiner weiß warum, und dann geht’s los. Natürlich erst mal zu den Kamelen. Das Kamelreiten ist für alle für fünf Minuten mit drin, aber diesmal haben zum Glück nur ein paar Damen das Angebot angenommen und alle meiner Kampfklasse dankend abgelehnt. Das Kamel war bestimmt erleichtert. Zwischendrin kam noch ein Junge mit einer Kreuzung aus Hase und Ziege vorbei, die man streicheln konnte, und ab ging es zu den Quads.
Auch hier wieder Chaos, bis alle endlich mal ihre Maschinen hatten, aber irgendwann war auch das erledigt. Es scheint, als wäre es Standard, dass ich überall auf der Welt eins mit Superprofil links und beinahe null Profil rechts bekomme, aber inzwischen bin ich ja daran gewöhnt. Die Möhren sind ungefähr in dem Zustand, den man sich vorstellt, hat aber alles geklappt.
Los ging es ganz gemächlich durch die Wüste. Im Gegensatz zu Hurghada war es leider nicht möglich, den Guide zu bestechen und separat schneller zu fahren, aber das Tempo wurde schrittweise erhöht, und zum Schluss konnte man die Geschwindigkeit auch kurzzeitig voll ausfahren. Was in Hurghada immer sofort unterbunden wurde, war hier kein Problem: überholen und zur Spitzengruppe fahren. So hatte jeder seinen Spaß in seinem Tempo, und es wurden immer wieder Pausen eingelegt, um die Gruppe zusammenzuhalten.
Die Gegend ist bedeutend hügeliger als Hurghada und die Tour damit bedeutend spannender, als einfach nur in der Wüste im Kreis zu fahren. Hindurch zwischen Felsen, Stops an Bäumen mitten im Nirgendwo, auf einem Hügel zum Sonnenaufgang hinter den Bergen und am Meer haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Mir hat’s einen Mordsspaß gemacht, und das Ende war dann auch gut organisiert, ganz ohne Verkaufsveranstaltung, und ich war schnell wieder im Hotel.
Puschel geht abends gern zur Kids Disco. Er bleibt zwar am Rand, aber er freut sich jedes Mal wie ein kleiner Wüstendrache, wenn wir hingehen.
Gestern ging es dann wieder nach Port Ghalib (nein, wir haben nichts getrunken!) auf die Seascope – ein etwas anderes Glasbodenboot.
Zuerst geht es etwa 15 Minuten lang aufs offene Meer in Richtung Marsa Mubarak. Dann hält das Boot, und es geht unter Deck. Eine große, klimatisierte Kammer mit riesigen Fenstern unter Wasser und Plätzen für alle Passagiere.
Zuerst haben wir über einem wahnsinnig schönen Riff mit toller Artenvielfalt gekreuzt und sogar einen Gitarrenhai gesehen, dann ging es weiter auf die Suche nach Schildkröten, die bald belohnt wurde.
Maria wollte unbedingt Dugongs sehen. Die Guides sagten gleich zu Anfang, dass die Chance dafür nur bei 50/50 liegt, aber bald wurde das zum Running Gag in unserem Teil des Boots.
Der Guide in unserem Teil des Boots war unglaublich aufmerksam und toll. Ja, ich weiß, Trinkgeld und so, aber ehrlich: Das hat er sich sowas von verdient. Er hat auf tolle Art und direkt auf alles hingewiesen, was sich bewegt und spannend ist (und auch, wenn man gerade dabei ist, was Tolles zu verpassen, weil es auf der anderen Seite stattfindet), hat sich irgendwann unser Handy geschnappt und tolle Fotos und Videos von und für uns gemacht und war dabei einfach lustig charmant.
Als wir noch ganz verzaubert von den Schildkröten waren, hat das Boot an einer Stelle gestoppt, ab der eine Weile außer Sand am Boden einfach nichts zu sehen war – bis plötzlich am Rand des Sichtbaren ein Dugong auftauchte und sanft unter dem Boot hindurchglitt. Das war nicht nur magisch, sondern aufgrund des Running Gags auch einfach eine tolle Stimmung an Bord.
Wir haben den Dugong eine Weile begleitet. Er hat irgendwann entschieden, zu aller Belustigung, mit einer Schildkröte „zu spielen“ und ist danach genauso natürlich entschwunden, wie er kam.
Danach ist das Boot wieder nach Port Ghalib zurückgekehrt, und wir waren glücklich.
Heute ist wieder der Wasserpark angesagt gewesen, und am Nachmittag werden wir das Kind am Strand wohl die Arche Noah ausbuddeln lassen, oder so.








