Die Wiege der Menschheit…

Meine Güte, ich komme nicht hinterher. Wie ihr gemerkt habt, habe ich nicht jeden Tag geschrieben. Meist ist das ein Zeichen, dass einfach nicht allzu viel passiert ist – hier eher, dass ich erst einmal alles verarbeiten muss, was passiert ist, und dass ich auch die Gesellschaft der anderen genießen möchte – und dass so ein Beitrag eben nicht in fünf Minuten fertig ist (auch wenn er sich vielleicht manchmal so liest).

Am Donnerstag gab es einen längeren Ausflug zur „Wiege der Menschheit“.

Nun ist allgemeiner Konsens, dass die Menschheit – oder deren Vorläufer – nicht unbedingt an einem Ort allein entstanden ist, und vermutlich auch nicht genau hier. Aber nahe Johannesburg findet sich eine Gegend, in der einige der ältesten Vorläufer des Homo sapiens gefunden wurden – und das in großer Menge und erstaunlich gut erhalten. Und diese Gegend wurde eben „Wiege der Menschheit“ genannt, und einen der wichtigsten Orte hierfür kann man besichtigen: die Höhlen von Sterkfontein.

Das Erlebnis begann nicht erst vor Ort, sondern schon der Weg dorthin war spannend und unglaublich schön.

Wir haben Johannesburg in westlicher Richtung verlassen und passierten Luxusvillen am Berg mit eigenem Hubschrauberlandeplatz, während es davor von recht einfachen Behausungen wimmelte und nur einen Kilometer später der Weg von Blechhütten bestimmt wurde und die Gegend vor Leben nur so brummte.

Händler hatten ihre Stände am Straßenrand aufgebaut oder hielten ihre Waren einfach nur hoch, während viele Menschen eines der allgegenwärtigen Sammeltaxis anhielten – die wichtigste Form der Fortbewegung in Johannesburg.

Hierfür stellt man sich an den Straßenrand, hält seine Hand hoch, und die genaue Haltung der Finger und der Faust zeigt an, in welche Gegend man will.

Kurze Zeit später waren wir recht plötzlich raus aus der Stadt und in einer grünen Umgebung, die ein bisschen aussah wie das Auenland. Satt sehen konnte man sich daran nicht.

Das Besuchszentrum der Höhlen ist ein funktionaler Bau, der sich toll in die Landschaft einfügt, angesichts der Bedeutung des Ortes aber pures Understatement lebt.

Hier wurden wir von einem Guide abgeholt, der die ersten zwei Minuten wirkte wie ein Slumlord auf Crack. Alle Beteiligten waren eindeutig irritiert, aber es stellte sich heraus, dass dies seine „Masche“ war, um zu überraschen.

Und überrascht hat er – mit unglaublich einfachen Erklärungen komplizierter Forschung und einem sehr feinsinnigen Humor.

Die Funde begannen nicht in den Höhlen selbst, sondern auf den Abraumhalden. Denn die durch Wasser geformten Höhlen waren nicht nur Todesfallen für die ersten Menschen vor 3,5 Millionen Jahren, sondern auch ein Hort von Stalaktiten, welche für den Goldbergbau gebraucht wurden. Frühe Bergbauingenieure interessierten sich für nicht viel anderes – und so landete alles andere eben auf den Halden. Viele Jahre später wurden hier Skelette aus grauer Vorzeit entdeckt. Und dann auch in der Höhle selbst.

Nach der wirklich spannenden Tour wollten wir gerade zurückfahren, als ein Südafrikaner fragte, wo wir herkommen. Das ist hier supernormal und immer sehr, sehr herzlich.

Er war aus Hartbeespoort und meinte, wir sollten dort unbedingt hin. Ein kurzer Check der Karte ergab: Da gibt es eine Seilbahn, die wir schon öfter im Blick hatten. Na, auf zur Seilbahn!

Der Blick auf den Stausee und die malerische Umgebung war den Trip mehr als wert – die Pizza auf dem Gipfel auch!

Und am nächsten Tag sind wir nach Durban geflogen …

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