Lost in translation…

Als wir gestern mit Gusti den Plan für heute besprochen haben, haben wir den Lempuyang Tempel, oder auch Heavens Gate, erwähnt. Eher weil wir uns das Treiben dort ansehen wollten, nicht weil wir wie tausend andere bekloppte 2 bis 3 Stunden auf ein Foto warten wollten.

Gusti meinte es wäre dort zum Sonnenaufgang am besten.

Sonnenaufgang? Kannten wir bisher bloß als 2 Stunden Wandertour den Vulkan von gestern hoch, morgens um 3. Nicht wirklich was für uns.

Also mussten wir gar nicht lange überlegen um auch der nicht wirklich Urlaubs kompatiblen Abholzeit von 4 Uhr morgens zuzustimmen.

Nach 3 Stunden Schlaf haben wir uns fertig gemacht und durften etwas ganz besonderes bewundern: relativ leere Straßen auf Bali! Muss man sich vorstellen wie die B96 am Wochenende, nur bedeutend schmaler und das man links und rechts gerne mal von 3 Motorroller gleichzeitig überholt wird.

Kurz nach 6 erreichten wir den Tempel und sind einen Steilen Weg nach oben gesprintet um den Sonnenaufgang um 6:22 noch zu schaffen.

Denkste! Den sieht man von da gar nicht.

Was Gusti meinte war, dass man um die Uhrzeit nicht so lang auf das Foto warten muss. Die fangen da oben nämlich bei Sonnenaufgang an zu fotografieren!

Äh… Naja, wenn wir schon mal da sind…

Vor Ort werden Nummern verteilt (Maria ist ja geübt in sowas) und gegen eine Spende nehmen sich 2 Leute deine Handys und machen damit Fotos von dir vor dem Tor.

Die Spende ist gering und Gusti hat uns in den beiden Tagen immer mal wieder erklärt wie sich lokale Gemeinschaften und die Tempel damit finanzieren. Es ist etwas was wir sehr gern gemacht haben.

Da die beiden das mehr oder minder hauptberuflich machen sind sowohl der Ablauf, als auch die Fotos, selbst für mich organisationsversessenen deutschen, sehr gut.

Als wir ankamen war grad die Nummer 4 dran, wir hatten Nummer 31 und etwa 50 Minuten Wartezeit. Genug um sich die Tempelanlagen näher anzuschauen.

Als wir gegangen sind (also als Nummer 32 dran war), war der Einlass so etwa bei Nummer 130.

Wer sich jetzt fragt warum die Balinesen vor hundert Jahren einen Foto Hotspot mit Blick auf den Vulkan Mount Agung (Freude vieler Reisender vor 2 Jahren) gebaut haben: das ist der Eingang zu einem Tempel… Von der ANDEREN Seite.

Sieht dann so aus.

Irgendwann haben Touristen entdeckt das es andersrum viel schöner ist, Fotos gemacht, geteilt und so kam eins zum anderen.

Während der Wartezeit konnten wir von Gusti mehr über das normale Leben der Balinesen, vor allem abseits der touristischen Routen, erfahren.

Außerdem konnte man auch solche Fotos machen:

Im Anschluss ging es weiter nach Tirta Gangga, den Wassergärten eines Königs.

Fragt mich nicht welcher, es gab über die Jahre einige unterschiedliche Königreiche.

Nach einem warmen Frühstück und kurzer Fahrt sind wir von dort zum Taman Ujung – dem Wasser Palast des Königs gefahren. Er hatte übrigens 24 Kinder…

Jetzt waren wir im Eimer. Gusti wollte uns noch mehr zeigen, aber das wäre vergebene Liebesmüh gewesen.

Auf der Heimfahrt haben wir viel über den Glauben an die Balance aller Dinge und das Konzept von geben und nehmen geredet – auf spiritueller, aber auch ganz praktischer Ebene.

Irgendwer fällt jetzt sicher lachend vom Stuhl, aber ich möchte unbedingt wieder kommen und in diesen Teil Balis eintauchen. Ein kleines Besinnen auf sich selbst am Morgen nehme ich jetzt schon mit nach Hause, beim nächsten Besuch dann gerne mit Meditation und Yoga.

Wer hätte gedacht was Gusti und Bali in so kurzer Zeit in mir auslösen…

Einen kleinen Halt haben wir auf dem Weg noch gemacht. Maria wollte die Füßchen ins Wasser stecken und hat dabei auf mich geachtet und nicht auf das Wasser. Nein, ich bin nicht zu Ihrer Rettung geteilt, einer muss doch für euch fotografieren!

Ja ja, ich weiß.. Karma und so…

Zurück in Kuta gab es Zeit für den Pool und ein wenig Ruhe, bis es den Afternoon Tea gab.

Gestärkt ging es nach Seminyak – aktuell die beliebteste Gegend für Aufenthalte und uns von vielen wärmstens ans Herz gelegt.

Das Chaos bleibt, aber Restaurants und Geschäfte sind bedeutend schicker. Ein kleines Shopping Paradies.

Auch wenn es wirklich schöne Läden / Boutiquen gibt und alles irgendwie moderner und aufgeräumter wirkt – ich bevorzuge das wuselige Kuta.

Seminyak hat in den letzten 10 Jahren etliche Reisfelder ersetzt und dient ausschließlich der touristischen Bespaßung. Und das merkt man.

Was fehlt ist nämlich das einheimische Leben. Abgesehen vom allgegenwärtigen Chaos wirkt alles recht künstlich, die Herzlichkeit kommt ein wenig abhanden und spätestens das Fehlen der Hunde auf den Straßen sollte einem zeigen das hier niemand wirklich lebt.

Versteht mich nicht falsch – es ist schön, macht Spaß und wir fahren wieder hin. Aber ich bin froh, dass unser Hotel in Kuta ist.

Inzwischen zieht die Karawane weiter und die Gegend bis Canggu wird mit Villen und Hotels gepflastert.

Ein Wort zu den Hunden: überall auf Bali rennen, auf den ersten Blick herrenlose, Hunde herum. Dafür sehen sie nur irgendwie zu gut aus. Der allergrößte Teil der Hunde hat durchaus Besitzer. Laut Gusti sehen diese sich nur nicht unbedingt so. Der große Teil der Hunde ist schon in der Nähe seiner Familie, kommt und geht aber wann er will. So wie ein Freund – als solcher wird er nämlich gesehen.

Zurück im Hotel waren wir eben noch kurz im Pool, essen jetzt unsere tägliche Schokoladen und Keks Ration und fallen ins Bett (sobald der Gekko das Zimmer verlassen hat).

Für morgen haben wir uns Handschuhe gekauft…

3 Kommentare zu „Lost in translation…

  1. Was für schöne Bilder!! Olaf, das Bild vom Tempeleingang könnte ein Hochzeitsfoto sein, wenn Ihr nicht schon verheiratet wärt!!

    Like

Hinterlasse einen Kommentar